Lisa Hauser: Das Biathlon-Ass im Interview

Lisa, in gut zehn Tagen wird in Tirol über eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele abgestimmt. Wie stehst du dazu?
Ich bin auf jeden Fall dafür. Die olympischen Biathlonbewerbe in Hochfilzen zu haben, wäre einfach Wahnsinn. Das neue WM-Stadion würde allen Anforderungen entsprechen und sich perfekt für dieses Großereignis anbieten. Was die Hochfilzener leisten können, haben wir ja schon bei der perfekt organisierten Weltmeisterschaft gesehen. Aber Olympia ist nicht nur eine tolle Chance für die gesamte Region, sondern auch für die heimischen Sportler. Olympia zu Hause – das ist der große Traum eines jeden Athleten. Es wäre auch ein guter Abschluss meiner Karriere, wenn man überhaupt so weit planen kann. Ich hoffe jedenfalls, dass die Tiroler am 15. Oktober ihr Stimmrecht in Anspruch nehmen und für „Ja“ stimmen werden.

Apropos Olympia: Auch die kommende Saison steht mit den Spielen in Pyeongchang im Zeichen der Ringe. Ist der Druck groß, wenn du an Olympia denkst?
Momentan noch gar nicht. Für mich liegt das Hauptaugenmerk auf dem Weltcup. Natürlich sind bei so einem Großereignis alle in guter Form und topmotiviert. Umso schwieriger ist es, ganz vorne mitzulaufen. Ein Top-Ten-Platz wäre für mich also ein richtig gutes Ergebnis.

Bereitet ihr euch schon spezifisch auf die Strecke in Peyongchang vor? Liegt dir der Kurs?
Spezifische Vorbereitung gibt es keine. Beim Weltcup im vergangenen Jahr konnten wir uns die Streckenführung schon näher anschauen. Da habe ich durch mehrere Fehlschüsse die Top-Ränge klar verfehlt. Es ist eine schwierige Strecke mit harten Anstiegen, aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass ich gut mit ihr zurechtkomme. Für ein Top-Ergebnis bei Olympia muss sowieso alles zusammenspielen.

Du bist ja vor kurzem erst Österreichische Meisterin im Einzel geworden. Kann die Saison kommen?
(lacht) Ein bisschen Vorbereitung brauche ich schon noch, aber die österreichischen Meisterschaften waren ein guter Gradmesser. Die erste Trainingsphase verlief heuer perfekt – wir hatten gute Trainingseinheiten und mein gesundheitlicher Zustand spielte auch mit. Die zweite Etappe gestaltete sich hingegen schwierig. Gesundheitlich angeschlagen, musste ich viele Trainings auslassen und habe in dieser Phase zwar keinen Rückschritt, aber eine Art Stillstand verzeichnet. Der Sieg in Obertilliach kam für mich überraschend, da die letzten zwei Monate trainingstechnisch nicht einfach waren – da ist es eine richtige Genugtuung, wenn es trotzdem so gut funktioniert.

Am 26. November geht der Weltcup im schwedischen Östersund los. Vergangene Saison konntest du acht Top-Ten-Platzierungen in den Einzelbewerben erreichen. Was sind deine Ziele für die kommende Saison?
Das ist vorher immer schwer einzuschätzen. Letzte Saison verpasste ich in den Einzelbewerben mehrere Male ganz knapp das Podest, deshalb ist das Ziel dieses Jahr sicher, endlich auch einen Top-Drei-Platz zu erreichen. Ich weiß ja, wie es sich anfühlt. Gemeinsam mit Simon Eder habe ich im vergangenen Jahr in der Single-Mixed-Staffel auch schon ganz oben stehen dürfen.

Wie sieht die dritte Trainingsphase bis zum Saisonstart aus?
Momentan trainieren wir zu Hause. Im Oktober geht’s noch für ein paar Tage in die Ramsau und nach Oberhof in den Skitunnel. Wenn es im November in Österreich schon möglich ist, auf Schnee zu laufen, trainieren wir hier und sonst in Skandinavien, das ist noch nicht sicher. Und dann geht es ohnehin schon mit riesigen Schritten Richtung Saisonauftakt.